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Manchmal dreht man sich um und ist irgendwo anders. Man sieht sich, aber fühlt sich nicht mehr. Alles dreht sich und die ausgestreckten Hände greifen ins Leere, entgleiten einander, fassen nichts mehr und unser Bild an der Wand fällt aus dem Rahmen. Es fällt, unaufhaltsam, in Zeitlupe stürzt es zu Boden und wir stehen regungslos da, nichts rührt sich. Wir versuchen erst gar nicht uns zu retten, den Aufprall zu verhindern, wir stehen einfach nur daneben und sehen zu wie wir fallen. Bodenlos. Vielleicht schreit etwas in uns, vielleicht hämmert irgendetwas in unserem Inneren gegen eine unserer unzähligen Mauern, schreibt etwas mit den zitternden Fingern auf eine beschlagene Scheibe, aber das ändert nichts. Wir bleiben einfach stehen und sehen zu wie wir fallen. Wie schön es aussieht wenn man fällt. Wie leicht und schwerelos. Wir stehen einfach daneben und sehen dabei zu wie sich unser Lächeln in der dünnen Luft verzieht, wie sich der Glanz in unseren Augen verflüchtigt je näher wir dem Boden entgegenkommen und aus den Lichtkegeln verschwinden. Wir stehen einfach da, nichts weiter. Drehen uns um uns ohne uns zu fassen. Bodenlos. Und wenn das Glas auf den kalten Kacheln zerspringt, sehen wir gebannt auf die tausend kleine Scherben die in alle Richtungen springen, wie sich manche verlieren und andere in dunkle Winkel verstecken. Wir sehen einfach nur zu anstatt hinterher zu springen und zu versuchen alle Scherben wieder zu finden, zusammenzuhalten. Denn so ist das manchmal. Manchmal muss man sich beim zerbrechen zusehen. Manchmal muss das so sein. Denn wenn Konturen sich auflösen, langsam verschwimmen, Tropfen für Tropfen in ein Meer rinnen, dann hat das etwas anmutiges. Es ist so leise, so schleichend und schlicht. So einfach und schön. Jede Kontur ist unverwechselbar so wie sie ist und im Regen sterben wir manchmal. Wenn das Nass die Geschichten von der Haut spült und die Tinte in den Abfluss rinnt. Das ist dieser Moment in dem sich unser Bild aus dem Rahmen löst. Der Moment in dem wir fallen ist der, in dem wir fühlen, dass das Gefühl dieser Geschichte immer unter der Haut bleibt, auch im Regen. Und wenn wir zerspringen, der Moment in dem das schützende Glas auf dem Boden zerschellt, in diesem Moment spricht die bittere Wahrheit, dass uns keiner retten kann. Dass es für jeden zu spät ist den Aufprall jetzt noch zu verhindern. Und wir stehen immer noch da und sehen dabei zu. Weil wir so schön aussehen, wenn wir, verletzlich wie wir sind, zerbrechen. Und das ist okay. Es ist wirklich okay, dass wir keinen Schritt zur Seite machen, dass wir uns nicht der Länge nach in den Raum werfen, um das Unglück noch zu verhindern. Um das Unaufhaltsame noch zu bremsen. Wenn man fällt, dann fällt man. Bodenlos. Und niemand lindert den Schmerz des Aufpralls. Aber vielleicht sitzt jemand irgendwo im Schatten unweit von uns entfernt und reicht uns eine Hand. Pult die kleinen stechenden Steinchen aus den blutenden Knien. Sammelt die Scherben vom Boden auf und steckt unser Foto sorgfältig zusammengefaltet in seine Hosentasche. Papier zerbricht nicht. Nur das Glas. Der Rest bleibt unverletzt.





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